Eine Frage, die nicht pauschal zu beantworten ist. Was macht einen guten Tattoo-Laden aus? Natürlich gut gestochene Motive, zu niedrigen Preisen, oder?!

Immer wieder teilen uns Kunden mit was sie in anderen Studios für Erfahrungen gemacht haben. Auch im Netz liest man immer wieder über katastrophale Zustände und schlecht gestochene Motive. Meist durch Bildmaterial unterstützt, bei denen man nur die Hände über dem Kopf zusammenschlagen kann. Zustände, die selbst uns schockieren. Unfreundliche- und schlechte Beratung, keine Einhaltung der Grund-Hygiene und schlechte Tattoo- und Piercing-Ergebnisse.

Wie in jeder Branche gibt es auch bei der Körperkunst schwarze Schafe. Dummerweise kann sich jeder, untalentierte (möchtegern) Künstler, eine Tattoo-Maschine zulegen, sich selbstständig machen und losstechen. Jeder hat irgendwann mal angefangen & es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen. Doch nur wer am Ball bleibt, seine Fehler erkennt und diese ausmerzt, sollte auf Haut stechen dürfen. In Deutschland gibt es leider keine Instanz, die über die Qualität der gestochenen Arbeit entscheidet. So muss sich der Kunde auf das Wort und die Reverenzen des Tätowierers verlassen. Oftmals eine fatale Entscheidung, was die steigende Anfrage nach Abdeckern (Cover Up´s) bestätigt.


Zunächst eine Aussage über Tätowierer

Auch der Tätowierer ist nur ein Mensch und kann Fehler machen. Auch er hat ein Leben, private Probleme, Höhen und Tiefen. Auch er möchte in seiner Freizeit nicht permanent über die Arbeit reden und immer wieder die gleichen Fragen beantworten müssen. Dafür vergibt er Absprache-Termine. Viele glauben das er nur auf Haut malt... und dann noch nach Vorlage. Was an Arbeit und Zeitaufwand dahinter steckt kann kaum ein Kunde nachvollziehen. Schon gar nicht die Preise, die teilweise verlangt werden. Dennoch soll es schnell, sehr gut und günstig laufen. Leider klappt das so nicht immer. Hinzu kommen noch skurille Geschichten, die im Netz oder von Mund zu Mund verbreitet werden. Dann noch die Medien, mit ihren Sendungen über Tätowierer aus Amerika, die es ja in 45 Minuten schaffen einen kompletten Rücken zuzustechen, etwas nur aus dem Kopf stechen können oder über alles einen tollen Abdecker hinbekommen. Was mich zu zwei Fragen führt:

"Warum wollen alle in die USA fliegen, was schon teuer genug ist, und sich dort ein Tattoo stechen lassen, was sie für den Bruchteil des Preises auch hier bekommen? Warum wollen genau diese Leute den Bruchteil des Preises hier nicht zahlen?"

Leider glauben die Leute zu vieles was in der Glotze oder im Netz verbreitet wird. Es gibt überall talentierte Stecher, die es genauso gut, wenn nicht sogar besser, hinbekommen. Die sind nur nicht im Fernsehn. Die richtig guten Tattoo-Künstler leben durch weiterempfehlungen ihrer Kunden. Ohne Website, soziale Netzwerke oder Anzeigen. Unvorstellbar oder?! Ihre Galerien laufen durch die Welt, haben Kontakt mit anderen und empfehlen ihn weiter. Bessere, günstigere und effektivere Werbung gibt es nicht. Genau diese Leute sind es, die ihr ansprechen solltet um dem gewünschten Tattoo einen Schritt näher zu kommen.


Woher weiss ich welcher Tätowierer der richtige ist?

Hier einige Tipps, die euch helfen sollen. Bringt Geduld mit. Mit dem Gedanken "Ich will ein Tattoo... und zwar jetzt!" lauft ihr ins offene Messer. Ihr müsst sehr lange damit leben und man kann nicht jedes Motiv retten. Macht euch selbst schon Gedanken über ein Motiv und wohin es soll. Ungefähr zu Wissen was man möchte erleichtert die Sache ungemein. Der Tätowierer kann sich auch nichts aus den Fingern ziehen. Guckt im Internet nach evtl. Motiven, die euch gefallen. Begebt euch zu dem Tätowierer, den ihr für qualifiziert haltet. Wenn er kann, wird er euch sofort beraten oder aber einen, zeitnahen, Absprache-Termin vereinbaren. Eine Absprache/Beratung sollte immer gehalten werden. Zwischen Tür und Angel taugt es nicht. Lasst euch objektiv beraten und besteht nicht zu 100% auf euer Motiv, an einer festen Stelle. Manchmal passt es (optisch) einfach nicht. Dafür lasst ihr euch ja beraten.

Es hat sich immer wieder gezeigt, das die meisten Kunden ein gut gestochenes Motiv nicht von einem schlechten unterscheiden können. Ihnen fehlt einfach das Hintergrundwissen, um es beurteilen zu können. Was sie selbst als schön empfinden stößt, bei so manchen, übel auf. Hierbei geht es nicht um die Motivwahl, die muss dem Kunden gefallen. Kleiner Tipp: Schätzt euer Wissen über schöne oder schlechte Tattoo´s selbst ein. Habt ihr keine Ahnung von Licht, Schatten, Farben, Symmetrie, usw., fragt jemanden der sie hat oder selbst tätowiert ist. Familie, Freunde und Bekannte helfen da oft schon weiter. Guckt euch ruhig mehrere Studios an. Ihr seid zu nichts verpflichtet, bloß weil ihr ein Studio betretet. Nervosität und ein wenig Angst sind, zumindest bei Neukunden, normal. Nehmt ruhig jemanden mit, der vielleicht etwas Ahnung von der Materie hat.

Da die Branche hart umkämpft ist, kommt es selten vor, das der Tätowierer ein anderes Studio empfiehlt. Hier herrschen oft Neid, Missgunst und Preisdumping. Seht euch die Arbeiten des Tätowierers an. Irgendwo sollte er Referenzmaterial haben. Verlasst euch nicht blind auf ausgehängte oder im Netz verbreitete Bilder. Stellt Fragen an den Tätowierer. Er sollte sie, zum größten Teil, beantworten können. Fragt, ob ihr ihm bei der Arbeit mal über die Schulter gucken dürft oder ein frisch gestochenens Motiv, an einem anderen Kunden, begutachten könnt. Wenn er auf Zack ist sollte das kein Problem sein.

Schon im Gespräch entscheidet sich ob Kunde und Tätowierer kompatibel sind. Kommen sie auf anhieb nicht miteinander klar, kann man es eigentlich vergessen. Gegenseitige Sympathie spielt eine wichtige Rolle in diesem Geschäft. Der Tätowierer sollte stets freundlich sein, muss sich aber von einem unfreundlichen Kunden auch nicht alles bieten lassen. Er sollte sich, für den Kunden, leicht verständlich und fachbezogen ausdrücken. Zeigt er sich von seiner kreativen Seite und zeichnet euch schnell was vor, habt ihr fast gewonnen. Malt er euch mal eben, mit speziellen Stiften, was auf die Haut, ist er schon ganz weit vorne. Ein Tätowierer muss nicht zeichnen können um gut zu stechen... aber es zeigt das er was kann und hinter seiner Arbeit steht.

Erst nach diesem Gespräch gibt es eine Preisansage, die Anzahl der Sitzungen und Termine. Es klingt blöd, aber Wartezeiten bis zu einem Jahr und darüber hinaus sind ein gutes Zeichen. Der Tätowierer ist gefragt und liefert gute Arbeit. Den genannten Preis solltet ihr akzeptieren (oder zumindest mit anderen Studios vergleichen), auch wenn man manchmal erst schlucken muss. Genau ab diesem Punkt liegt die Entscheidung bei euch. Viele halten sich an das Motto: "Geiz ist geil!". Hier sollte man es sein lassen. Ein vergeigtes Motiv, bei dem ihr 50,- Euro gespart habt, kann nachher noch teurer werden, wenn man es überstechen oder weglasern muss.

Bedenkt immer... Es handelt sich um eine Dienstleistung. Der Tätowierer sticht nicht nur, er bereitet vor, muss den Laden, die Farbe, die Nadeln und auch seine Angestellten bezahlen.

Bringt Geduld mit.

Text © by Dennis Nowakowski