pdf logoLade dir jetzt die kostenlose Leseprobe meines Buches als PDF herunter. Es erwarten dich viele Zitate, witzige Anekdoten aus dem Tattooalltag und welche Probleme auftreten können. Darüber hinaus gebe ich diverse Erklärungen zu den Themen: Motive gestalten, Tattoomaschinen, Nadeln, Farben, Pflege, Kunden, Terminplanung uvm.  Viel Spaß beim Probelesen. >>DOWNLOAD LESEPROBE<<

 

 

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Einleitung

Ist es überhaupt möglich, ohne visuelles Anschauungsmaterial ein Buch über das Tätowieren zu schreiben? Dieser Frage stand ich gegenüber und beantwortete sie mir, trotz kritischer Stimmen, mit einem eindeutigen «Ja.» Wenn jemand diesen Beruf erlernen will, sollte er in der Lage sein, Dinge visualisieren zu können. Bei Romanen oder Hörbüchern klappt es schließlich auch. Der einzige Unterschied besteht darin, diese Visualisierung für sich umzusetzen. Ist man dazu nicht in der Lage, kann man auch keinen Kunden beraten, der eine ganz bestimmte Vorstellung von seinem Tattoo-Motiv hat. Guckt man sich im Internet oder Buchläden um, so findet man eine Vielzahl an Büchern, DVDs und Blu-Rays, die sich mit dem Thema Tätowieren befassen. Leider zu nicht gerade erschwinglichen Preisen, was die meisten Käufer abschreckt. Deshalb habe ich mir zum Ziel gesetzt, ein Buch zu schreiben, dass sich wirklich jeder leisten kann.

 

Warum dieses Buch?

Ganz einfach, ich möchte junge Talente motivieren, ihre Angst abzulegen und unbeirrt einen Weg zu beschreiten, der sie möglicherweise weiterbringt. Es ist traurig, mitanzusehen, wie begabte Leute verkommen, weil sie niemand an die Hand nimmt und ihre Talente fördert.

«Lass es lieber sein.», «Das ist nur eine Modeerscheinung.» oder «Leben wirst du davon nicht können.»,

sind nur einige der Sätze, die ehrgeizigen Menschen den Mut nehmen, mit ihrer Leidenschaft beruflich durchzustarten. Tätowieren ist eine Form der Kunst die sich gerade in Deutschland immer größerer Popularität erfreut und dennoch von konservativen Leuten runtergemacht wird, weil sie an den Traditionen der harten Arbeit, wie Handwerksberufen, festhalten. Talentierten Malern, Comiczeichnern, Musikern, Autoren oder Schauspielern wird der Traum genommen, jemals Fuß mit ihrer Leidenschaft zu fassen.

«Lern lieber was Gescheites.», «Du musst doch die Firma übernehmen.» oder «Das sind Träumereien.»,

sind die häufigsten Aussagen auf die Antwort deiner Berufswahl. Ich möchte hier keineswegs solide Berufe schlechtmachen, doch finde ich es seltsam, dass es gerade für außergewöhnliche Jobs, wie eben dem des Tätowierers, noch keine anerkannte Ausbildungsmöglichkeit gibt.

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Ich will Tätowierer werden – Wie fange ich an?

«Wenn du etwas machen willst, was du noch nie gemacht hast, musst du etwas tun, was du noch nie getan hast.»

Herzlichen Glückwunsch, du hast einen Entschluss gefasst und willst es durchziehen.  Zwei Worte werden dich stetig durch dieses Buch begleiten.

«Halte durch.»

 

Jeder sticht anders

Jeder geht anders an ein Tattoo heran, sonst wäre es auch langweilig. Niemand sollte meine Herangehensweise zu einhundert Prozent kopieren. Das würde keinen Sinn machen. Es ist lediglich ein Leitfaden, um dir die Materie näherzubringen. Sowohl technisch als auch menschlich. Du bist die ausführende Hand, nicht ich. Etwas anders zu machen als ich, ist völlig korrekt, wenn es dir dann leichter fällt und die Arbeit noch besser wird. Nun gilt es zu erkunden, in wie weit deine Fähigkeiten ausreichen, um anderen Menschen mit einer Nadel in die Haut zu stechen. Alle angehenden Tätowierer sehen nur die technische Ausführung eines Werkes wie Maschinen, Farben, Matrizen Papier «Durchpaus Papier für Motive», Outlines «Konturen», Stichtiefe, usw. Sie sind scharf darauf, endlich zu stechen. Voller Tatendrang legen sie los und übersehen dabei Details, die einen Profi von einem Newcomer unterscheiden. Sehr häufig kommen junge Menschen in unser Studio, weil sie tätowieren lernen wollen. Leider lässt es die Zeit kaum zu, sich mit ihnen zu beschäftigen. Einige Tipps und Tricks sind drin, doch frustriert es mich zunehmend, diese teilweise sehr begabten und dankbaren Talente wieder wegzuschicken. Zu hören, dass sie aus anderen Tattoo Studios rausgeworfen, regelrecht verjagt, wurden kann ich beim besten Willen nicht nachvollziehen. In unserer Branche, wie in vielen anderen auch, herrscht ein regelrechter Machtkampf um die Status Position in der Gesellschaft. Jeder will der Beste sein, duldet keine Konkurrenz auf dem Markt und wertet andere Studios ab, die eigentlich sehr gute Arbeit leisten. Ein kleiner Blick über den Tellerrand hinaus und sie wüssten um einen zukünftigen Angestellten, der gutes Geld einbringen kann.

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Qualität hat ihren Preis

Einer der am häufigsten gestammelten Sätze dieser Branche. Leider von Leuten, die gerademal Outlines ziehen und schwarz füllen können. Und selbst das nicht sonderlich gut. Als Newcomer bist du froh über jeden Kunden, die meist aus dem Freundeskreis stammen und sich als Versuchskaninchen zur Verfügung stellen. Von Anfang an viel Geld zu verlangen und besagten Spruch runterzubeten ist absurd. Sei dankbar für jeden, der sich freiwillig von dir stechen lässt. Anfangs werden dich Schriften, Namen, Daten, Tribals, Verschnörkelungen und dergleichen faszinieren. Sie bestehen ja nur aus Outlines und etwas Füllfarbe, vorzugsweise schwarz. Für eine routiniertere Arbeitsweis sehr zu empfehlen. So bekommst du mehr Gespür für deine Maschine, Nadeln, Farbe, Formen, Haut und Problemzonen. Doch für den Weg zur Elite reicht das nun mal nicht aus. Hier spielt das persönliche Talent, Selbsteinschätzung und Ehrgeiz eine große Rolle. Sich zu überschätzen, was sämtliche Cover up Shows im TV erklärt, kann fatal enden. Ein Ruf ist schnell geschädigt. Ein Bild sagt mehr als tausend Worte. Trotzdem musst du dich irgendwann von dem, was du bisher gelernt hast, lösen und weiterziehen. Hier sollte dir auch langsam klar werden, wohin du willst. Also welchen Stil du mal stechen möchtest. Prinzipiell solltest du später alles stechen können, wenn du gut drauf bist. Vielfältigkeit bei Tätowierern findet man leider nur bedingt, da sich die Künstler irgendwann festlegen. Zwei grobe Richtungen sind Old School Art und Realistc Style Art. Ebenso solltest du irgendwann deine privaten Räumlichkeiten oder den Keller gegen ein Studio eintauschen, wenn du professionell mit deiner Leidenschaft Geld verdienen möchtest. Genau dieser Mut fehlt den meisten.

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Das richtige Equipment

«Ein Handwerker ist nur so gut wie sein Werkzeug.»

Du willst anfangen, zu stechen und benötigst das richtige Material. In diesem Kapitel gehe ich auf die Grundausstattung ein, die du benötigst, um zu starten. Gleichzeitig gebe ich dir einige Tipps, mit denen du richtig Geld sparst und was du auf gar keinen Fall tun solltest. Fangen wir mit der Tätowiermaschine an. Egal, ob mit Spule, Rotary oder einem Pen. Bestell dir niemals ein Tätowier-Set für unter einhundert Euro, bei dem alles schon dabei ist. Meist enthalten diese Sets drei oder vier Maschinen, Trafo, Kabel, Farben, Matrizenpapier, Nadeln, Töpfchen, künstliche Tattoo Haut und noch vieles mehr.

«Das ist China Schrott.»,

mit dem du auf keinen Fall jemanden stechen solltest. Allein schon wegen der fragwürdigen Farben. Für den Anfang wird es schon reichen, meinst du. Nein, alles was du mit diesen minderwertigen Materialien erlernst und vielleicht auch anrichtest, ist vergeudetet Zeit.

«Ein Handwerker ist nur so gut wie sein Werkzeug.»

Kauf dir von Anfang an Qualitätsware und lerne, damit umzugehen. Notfalls kannst du diese immer noch für gutes Geld weiterverkaufen. Am Ende dieses Kapitels stelle ich eine Preisliste für deine benötigten Materialien zusammen, damit du eine ungefähre Orientierung über die Ausgaben hast, die dich erwarten. Eine weitere Hürde im Einkauf ist die Vorlage des Gewerbescheins, den du nicht zwangsläufig brauchst, wenn du ein paar gute Connections hast.

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Spulenmaschine, Rotary oder Pen?

«Die Qual der Wahl. Lass dich nicht Irre führen, so groß sind die Unterschiede für deine Arbeit nicht.»

Hier scheiden sich sämtliche Geister, vor allem in der Tattoo Szene selbst. In allen Foren dieser Welt herrscht ein regelrechter Krieg unter Tätowierern aber auch Kunden, der den Neueinsteiger eher verwirrt als hilft. Die Old School Versessenen schwören auf die traditionelle Spulenmaschine, weil sie wenigsten etwas wiegt und man merkt, dass man was in der Hand hält. Weil sie, wenn sie von guter Qualität ist, bessere Konturen sticht, besser schattiert, besser die Farbe reinpumpt, und, und, und. Leider macht sie auch extrem viel Lärm, was für mich ein Ausscheidungskriterium war. Wenn ich steche, habe ich gerne Ruhe bei der Arbeit, lausche der Musik, die stets läuft und führe auch hin und wieder einen kleinen Plausch mit meinen Kunden. Mit einer Spulenmaschine ist das unmöglich. Das monotone Klackern würde mich nach wenigen Minuten an den Rand des Wahnsinns treiben.

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Kleine Nadelkunde

«Du brauchst nicht alle Nadeln und auch nicht alle Größen.»

Ich verzichte hier bewusst auf das Selbstzusammenlöten von Nadeln und die benötigten Nadelstangen. Ich gehöre noch zu den armen Schweinen, die ihre Nadeln selbst gelötet haben, oder besser gesagt, löten mussten. Eine mühselige Arbeit, die mehrere Stunden Zeit in Anspruch nahm und meist nur am Wochenende verrichtet werden konnte, da ich zu diesem Zeitpunkt noch berufstätig war. Nicht zu vergessen, die gründliche Reinigung der Spitzen und Griffstücke. Da ging schon mal ein Samstag vor die Hunde. Zum Glück kamen eines Tages die Einmal-Griffstücke auf den Markt, zusammen mit bereits gelöteten Nadeln, in allen Größen und Formen. Viele bevorzugen noch das Aufbereiten von Spitzen und Griffstücken, also Sterilisator und dergleichen, was ja nicht falsch ist. Hat man es jedoch mit einem stetig wachsenden Kundenstamm zu tun, sind Einmal-Artikel ein wahrer Segen. Sie sparen wahnsinnig viel Zeit und Nerven. Irgendwann beschränkt man die Vielzahl an Nadeln auf bestimmte Größen, mit denen man am besten zurechtkommt. Doch kommen wir nun zu den Nadeln selbst. Ein Thema, dass ich so einfach wie mögliche Gestalten möchte, um Missverständnisse zu vermeiden. Die richtigen Nadeln zum richtigen Zeitpunkt zu nutzen ist keine große Kunst. Ebenso gibt es keinen Unterschied ob du nun klassische Nadeln oder Module benutzt. Das Prinzip ist dasselbe.

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Farbe und Schattierungen - Welche Farben benötige ich?

Wieder ein Kapitel, in das du dich praktisch selbst einarbeiten musst. Die Verkäufer von Tätowierfarbe werden mich wegen dieses Kapitels nicht lieben, weil sich meine persönliche Auswahl auf maximal fünfzehn Farbtöne beschränkt. Es hat lange gedauert, bis ich die für mich am besten geeigneten Marken und Farben gefunden habe. Auch hier werde ich keine konkreten Angaben zu den zahlreichen Marken machen, weil jeder Tätowierer anders mit den Farben klarkommt. Hier zu behaupten, diese oder jene Marke sei das non plus Ultra ist nicht meine Art. Alle gängigen Hersteller sind perfekt geeignet, um ein solides Tattoo auf die Haut zu zaubern. Verzichte beim Kauf auf No Name Produkte, die niemand kennt, die aus dem Ausland kommen und keine glaubwürdige Zertifizierung aufweisen. Damit schießt du dich ins Aus. Nur geprüfte Farben, von namhaften Herstellern, sollten den Weg in dein Regal finden. Soviel dazu. Die erste Frage, die sich stellt lautet also,

«Welche Farben benötige ich?»

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Motive vernünftig gestalten

«Und jetzt zaubere für mich.»

Kommen wir zum kreativsten Teil, den ein Tätowierer unbedingt beherrschen sollte. Nämlich sich in die Wünsche des Kunden hineinzuversetzen, diese zu visualisieren und umzusetzen. Eine optimale Beratung, die einiges an Erfahrung verlangt, ist unerlässlich. Hier lade ich stets zu einem Beratungstermin ein, um mir die Vorstellung meines Kunden anzuhören und um den Zeitaufwand besser einschätzen zu können. Erfahrungswerte spielen eine große Rolle bei der Beratung, weshalb ich häufig den Wünschen meiner Kunden widerspreche und eine leichte Änderung vorschlage, damit ihr Motiv besser rüberkommt. Die meisten sind begeistert und gehen auf die Vorschläge ein. Das Resultat hat sie bislang alle überzeugt und sie kommen wieder. Beim nächsten Termin heißt es dann nur noch

«Mach es so, wie du es für richtig hältst.»

Das geht runter wie Öl, soviel darf ich an dieser Stelle verraten. Fühlt sich der Kunde gut beraten, erkennt deine Leidenschaft für Details und vertraut dir, bist du bereits auf der Gewinnerstraße. - weiter geht es im Buch

 

 

 

Übung macht den Meister, wenn du es willst

«Talent kann man nicht kaufen.»

Bevor du jetzt hunderte von Euro investierst, solltest du deine Fähigkeiten prüfen. Natürlich ist man scharf darauf, sofort loszulegen, sich zu beweisen, Lob  und Anerkennung für seine Kreativität zu ernten. Wenn du, wie zu Beginn dieses Buches erwähnt, nur auf das schnelle Geld aus bist, wirst du scheitern. Das garantiere ich dir. Schnelles Geld bedeutet schnelle Arbeit, minderwertige Qualität und ausbleibende Kunden. Zumindest am Anfang. Alles braucht Zeit, um sich zu entwickeln. Nimm dir diese Zeit und überschätze dich nicht. Teste deine Fähigkeiten erst einmal mit Bleistift und Papier aus. Das kann man nicht vergleichen, werden jetzt einige aufschreien, die schon in Haut gestochen haben. Ihr habt Recht, es ist kein Vergleich. Darauf will ich auch nicht hinaus. Es geht mir um die Fingerfertigkeit der angehenden Tätowierer. Ihr solltet zumindest ein gutes Gespür für Druckstärken, Proportionen, Licht und Schatten bekommen, bevor ihr etwas in eine fremde Haut stecht. Das kann man nicht so einfach korrigieren, wie ein schlecht gezogener Bleistiftstrich.

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Die richtige Pflege

«Das Tattoo ist drauf. Mehr muss ich nicht tun, oder?»

Wie bereits im Kapitel «Die 10 häufigsten Fehler» angerissen, denken viele Kunden, dass es mit dem letzten Stich getan ist und die Pflege eine Nebensache oder unnötig ist. Sie drücken dir die Verantwortung aufs Auge und wiegen sich damit in Sicherheit. Nach einigen Wochen tauchen sie dann auf und machen dich verantwortlich für blasse Farben, noch nicht abgeheilte Stellen oder anderen Kleinigkeiten. Dinge, die sie durch eine gute und regelmäßige Pflege hätten vermeiden können.  Die Pflege eines frisch gestochenen Tattoos ist so wichtig wie das Stechen selbst. Schärfe das jedem Kunden ein.

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Portraits, die Königsdisziplin

«Das Prinzip von Licht und Schatten lässt sich nicht umgehen. Es folgt immer logischen Naturgesetzen.»

Von allen Kunden verehrt und als Königsdisziplin betitelt, sind Portraits offenbar das Highlight der Szene. Jeder kennt schlecht gestochene Werke die, zu Hauf im TV, Internet oder Freundeskreis, zu bestaunen sind. Mit fetten Konturen, viel zu dunklen Schattierungen und falsch gesetzten Lichtreflexen, ähneln sie dem Original mäßig bis gar nicht. Sieht man das Foto dann noch direkt daneben, kippt man nur noch nach hinten über oder lacht sich schlapp. Solche Machwerke öffentlich ins Netz zu stellen, ist für mich der Beweis für den geistigen Zerfall unserer Gesellschaft. Damit nicht genug, die Kunden, die diese Verschandelung ihrer Haut offenbar nicht erkennen, bedanken sich noch für die tolle Arbeit, bei dem grandiosen Künstler. Dieses Phänomen bezieht sich leider nicht nur auf Portrait-Arbeiten. Sämtliche vergeigten Motive, in allen Stilrichtungen, werden von den loyalen Kunden öffentlich gefeiert. Der größte Schandfleck in dieser absurden Geschichte ist jedoch der Tätowierer selbst. Umjubelt von den, offensichtlich kurzsichtigen Groupies, feiern sie sich selbst bis zum Himmel und halten sich für die absolut Größten. So ein Tattoo-Künstler willst du nicht sein.

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Tätowierer im TV

«Denke immer daran, dass nur und nur die TV-Tätowierer ein Motiv retten können.»

Die Retter der Nation findet man im Fernsehen, natürlich bei den Privaten Sendern. Sie können einfach alles covern, sind immer gut drauf und die einzige Chance für verzweifelte Leute, die keinen geeigneten Tätowierer finden konnten oder kein Geld haben. Ich will diese TV-Tätowierer gar nicht schlechtmachen. Doch stehen solche Sendungen für die absolute Elite der Branche und alle anderen Millionen Tattookünstler können offensichtlich nichts. Falsch! Es handelt sich um ein TV-Format, das nur ein Ziel verfolgt – Zuschauerzahlen und Quoten. Wie bei allen kommerziellen Sendungen die uns die Privaten um die Ohren schlagen. Von vorn bis hinten durchgeplant, immer nach dem gleichen Schema. Wobei die deutsche Sendung Horror Tattoos – Wir retten deine Haut, im Gegensatz zu den amerikanischen Produktionen noch weit vorn liegt. Mittlerweile erklären sie in diesem Format einige Begriffe, diskutieren in den Pausen fachspezifische Themen und suchen sich würdige Motive aus, die ein Cover up dringend nötig haben. Wie und mit welchem Motiv sie etwas covern müssen, wird relativ gut durchleuchtet. Sogar beim aufbringen des Motives gibt es halbwegs gute Erläuterungen. Das Endprodukt spricht selbstverständlich für sich und ist über jeden Zweifel erhaben. Das ist nicht sarkastisch gemeint, sondern die reine Wahrheit. Wenngleich ich die Motive gerne mal nach einen Monat sehen würde. Habt ihr jemals wieder einen Teilnehmer zu Gesicht bekommen, der sein Cover up, sagen wir mal, ein Jahr später, in die Kamera gehalten hat?

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Das eigene Tattoo Studio

«Unser Erfolgsgeheimnis – Erschlage sie mit Nettigkeiten.»

Du wagst nun den großen Schritt und willst endlich dein eigenes Tattoo-Studio eröffnen. Du hast deine Arbeiten extrem verbessert und verfügst über einen treuen und zuverlässigen Kundenstamm, der stetig wächst. Bessere Voraussetzungen gibt es nicht. In diesem Kapitel gebe ich dir nützliche Tipps, die du beherzigen solltest, wenn es möglichst stressfrei ablaufen soll. Ebenso spielt der finanzielle Aspekt eine wichtige Rolle, da wir alle keinen Goldesel im Keller haben.

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Terminplanung

«Ein Genie überblickt das Chaos. Mehr oder weniger.»

Bist du schon recht gut oder noch im Lernmodus? Nutzt du dein Wohnzimmer, die Küche oder den Keller zum Stechen, wird es mit steigender Kundenzahl immer schwieriger. Dein Privatleben wird darunter leiden, glaube mir. Selbst wenn du einer regulären Beschäftigung nachgehst und nur am Abend oder Wochenende tätowierst. Dein Zeitmanagement entscheidet ebenso über deinen weiteren Werdegang, wie das Tätowieren selbst. Bist du nicht in der Lage, Termine einzuhalten, stehen die Chancen sehr schlecht, jemals ein angesehener Tattoo Artist zu werden. Natürlich kannst du immer wieder Kunden bekommen, diese dann genauso vernachlässigen, ist schon klar. Hier spielt deine persönliche Einstellung eine große Rolle. Vor allem, wenn du einmal ein eigenes Studio leiten willst, solltest du deinen Fokus nicht nur auf das Tätowieren selbst legen. Eine vernünftige Terminplanung ist das A und O in der Geschäftswelt. Diese nebenbei erledigen zu wollen, ist - und ich spreche aus eigener Erfahrung - utopisch. Ich spreche nicht nur von den einfachen Terminvergaben an die Kunden, sondern von deinem Seelenfrieden. Du meinst, ich übertreibe? Vielleicht überzeugen dich die folgenden Ausführungen, in die ich langsam selber reinwachsen musste und die mir zeigten, dass einem irgendwann alles zu Kopf steigt, wenn man nicht vernünftig plant.

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Rechtliche Angelegenheiten und Finanzen

«Die Mühlen der Bürokratie mahlen langsam und extrem schrecklich.»

Leider muss ich auch den unangenehmen Teil dieses Buches zur Sprache bringen, den die Selbstständigkeit mit sich bringt. Die Bürokratie in Deutschland solltest du nicht unterschätzen. Ich habe mir vorgenommen, dieses Kapitel so kurz wie möglich zu halten, weil es mir selbst zuwider ist. Dennoch solltest du wissen, worauf du dich einlässt und wie du es dir so einfach wie möglich gestaltest. Ich will dir nicht vorschreiben, was du zu tun hast. Eher sind es Denkanstöße, die dir vielleicht nicht bewusst waren. Genauso wenig kann ich dir zu diesem Steuerberater oder jener Krankenversicherung raten, weil sie alle unterschiedlich arbeiten und verschiedene Leistungen anbieten. Auch wenn dich dieses Kapitel nicht interessiert, rate ich dazu, es sorgfältig und bis zum Schluss zu lesen. Die meisten Tattoo Studios schließen nicht, weil die Tätowierer schlecht sind, sondern weil sie ihre Finanzen nicht im Griff haben.

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Internet Auftritt und soziale Netzwerke

«Das Internet ist ein Zeitfresser. Mach dort nur, was du machen musst.»

Unverzichtbare Bausteine zum Aufbau einer Karriere. Da ich eigentlich gelernter Medienoperator, also Webdesigner bin, kommt mir mein Fachwissen natürlich zugute. So konnte ich selbst eine Website, genauer gesagt ein CMS-System, auf Deutsch, Seiten-Verwaltungs-System, aufsetzen und einpflegen. Da sich alle Welt auf Facebook, Twitter, Google+ oder Instagram rumtreibt, sollte auch dort ein Account vorhanden sein um die breite Masse erreichen zu können. Doch sei gewarnt, soziale Netzwerke und auch deine eigene Homepage, nehmen sehr viel Zeit in Anspruch und bremsen dich sogar aus, wenn du es zulässt. Mit Facebook hast du für den Anfang eine solide Plattform, auf der du eine Geschäftsseite einrichten kannst. Dies setzt einen privaten Account voraus. Im Internet findest du viele Anleitungen zum Einrichten eines Geschäftsaccounts, bei dem du auch Likes sammeln kannst. Da deine Arbeit aus Bildern besteht, solltest du diese regelmäßig fotografieren und einpflegen. Ebenso wichtig sind Veränderungen, wie z.B. neue Öffnungszeiten oder wann das Studio geschlossen ist. Dies alles solltest du stets aktuell halten, um deine Zuverlässigkeit zu repräsentieren.

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Gescheitert, was ist schiefgelaufen?

«Dies ist nicht das Ende. Es ist nicht einmal der Anfang vom Ende. Aber es ist, vielleicht, das Ende des Anfangs. - Sir Winston Churchill»

Ich habe lange mit mir gehadert, ob ich dieses Kapitel mit ins Buch nehmen soll, da es negativ aufstoßen könnte und private Details meines Lebens enthalten. Schließlich möchte niemand scheitern, geschweige denn etwas darüber hören. Bad Vibrations oder selbsterfüllende Prophezeiungen seien hier als Stichworte genannt. Vielleicht beruhigt es dich zu erfahren, dass meine erste Selbstständigkeit auch gescheitert ist. Du hast richtig gehört, erst beim zweiten Anlauf ging es gut. Die deutsche Mentalität ist erschreckend. Wahrscheinlich, weil wir so erzogen wurden oder zu viele schlechte Filme gesehen haben. Aus dem Freundes- und Familienkreis tönt es dann:

 «Wir haben dir ja davon abgeraten.» oder «Das war zum Scheitern verurteilt. Mach lieber etwas Anständiges.»

Höchstwahrscheinlich kommen solche Kommentare von Leuten, die dir die ganze Zeit Mist um die Ohren gehauen haben. Jetzt, wo du gescheitert bist, wären aufbauende Worte gefragt, die meist ausbleiben. Scheitern ist in unserem Land das Todesurteil. Du kannst dich gleich in Fötusstellung auf den Boden legen und sterben, du Versager.

Falsch! - In anderen Ländern, wie zum Beispiel Amerika gehört das Scheitern, auch zwei- oder drei Mal, zum guten Ton. Warum, fragst du dich jetzt. Die Antwort liegt auf der Hand. Die Selbstständigkeit ist eine Lernphase deines Lebens, genau wie das Tätowieren. Fehler passieren, weil du nicht alles wissen kannst und dich mit einigen Bereichen deiner Selbstständigkeit auch gar nicht beschäftigen solltest. Dafür gibt es Leute, die du für ihr Fachwissen bezahlst, wie beispielsweise deinen Steuerberater.

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© / Copyright: 2020 Dennis Nowakowski
Umschlaggestaltung, Illustration: Dennis Nowakowski
Foto © / Copyright: Valeska Harrer
Verlag: Freeze Verlag

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